Die Ceausescu-Ära
Zunächst erfreute sich Nicolae Ceausescu nach seinem Machtantritt im Jahre 1965 einer beträchtlichen Popularität in Rumänien. In seinen Anfängen öffnete sich Rumänien für westliche Touristen und Investoren, nahm diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf und wurde als einziger Warschauer Pakt-Staat Mitglied es IWF und der Weltbank. Ceausescu nahm in den 80er Jahren ein ehrgeiziges, kreditfinanziertes Industrialisierungsprogramm in Angriff. Auf dem Weltmarkt fanden die rumänischen Industrieprodukte jedoch kaum Abnehmer und die notwendigen Energieimporte verschlechterten die rumänische Zahlungsbilanz so, dass Rumänien im Jahre 1982 seine Zahlungsunfähigkeit erklären musste.
Im Laufe seiner Amtszeit entledigte er sich seiner innerparteilichen Konkurrenten und stellte Künstler und Intellektuelle ruhig. Einzig und allein Mitglieder der Familie Ceausescu hatten etwas mitzureden. Im Jahre 1974 ließ er sich zum Staatspräsidenten ernennen, dessen Dekrete Gesetzeskraft hatten – einmalig in sozialistischen Ländern. Weiters war Ceausescu Oberbefehlshaber der Armee. Nach und nach wurde Rumänien zu einem Polizeistaat.
Dachte jemand anders als Ceausescu wurde dieser nicht wegen politischer Delikte angeklagt, sondern in psychiatrische Kliniken eingewiesen, in denen ähnlich menschenunwürdige Zustände herrschten wie in den rumänischen Waisenhäusern. Die Geheimpolizei Securitate, in deren Führung auch ein Bruder Ceausescus arbeitete, war die wichtigste Stütze der Macht. Der Bruder leitete die Spezialschule der Securitate in Baneasa bei Bukarest. Sie beschäftigte am Ende der Ceausescu-Zeit 14.259 hauptamtliche Mitarbeiter und zwischen 400.000 und 700.000 Informanten. Die Abhörzentrale in Bukarest war eine der modernsten der Welt.
Wollte man jemanden aus Rumänien weg haben, so bot man ihm die Ausreise an, wie zum Beispiel dem Schriftsteller Paul Goma oder der deutschsprachigen Schriftstellerin Herta Müller. Gingen die betreffenden Personen auf das Angebot nicht ein, so stellte man sie unter Hausarrest. Weiters wurden sie von der Securitate verhört und misshandelt.
Das Regime bekämpfte mit härteren Mittel die Arbeiterschaft. Im Jiu Tal streikten im Jahre 1977 10.000 Bergarbeiter – zunächst sprach er zu den Arbeitern. Jedoch kurz darauf verschwanden die 20 Anführer spurlos und viele beteiligte Bergarbeiterfamilien wurden in andere Landesteile deportiert und durch Securitate-Offiziere ersetzt. Versuche freie Gewerkschaften zu gründen, wurden schon im Ansatz erschlagen.