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Verelendung – die letzten Jahre der Ceausescu – Herrschaft

Im Jahre 1982 beschloss Ceausescu keine neuen Kredite mehr aufzunehmen und Rumäniens Auslandsschulden zurückzuzahlen. Mittlerweile ließ er sich auch nach dem Vorbild des rumänischen Kriegsdiktators Antonescu Führer nennen. Die Zurückzahlung sollte hauptsächlich durch den Export landwirtschaftlicher Produkte erfolgen. Dadurch sank allerdings der Lebensstandard in Rumänien auf ein in Europa einmalig niedriges Niveau. Die Lebensmittel wurden im Jahre 1982 rationiert. Von seinem Leibarzt Iulian Mincu ließ er ein „Programm zur rationalen Ernährung“ verfassen. Die Rationen pro Monat und Person betrugen: 1 Kilogramm Zucker, 0,5 – 1 Liter Soja- oder Rapsöl, 1 ½ Kilogramm Mehl, 1 Kilogramm Maismehl, 100 Gramm Butter, 10 Eier, 5 ½ Kilogramm Gemüse, 2,3 Kilogramm Obst, 3 ½ Kilogramm Kartoffeln. Fleisch gab es so gut wie gar nicht. In den fernbeheizten Wohnungen wurden die Temperaturen im Winter auf 12 Grad Celsius gedrosselt, manchmal wurde tagelang gar nicht geheizt. Auch zum Alltag gehörten Stromausfälle. Nur 5 % der rumänischen Bevölkerung hatte ein Auto, 7,6 % einen Staubsauger, 14,7 % eine Waschmaschine und 19,6 % einen Kühlschrank. Im Jahre 1989 war mit 26,9 % die Säuglingssterblichkeit die höchste Europas. Auf zwei Stunden wurde das Fernsehprogramm verkürzt, ein typischer Programmablauf sah so aus: 20 Uhr Nachrichten, 20:20 Uhr Wir rühmen den Führer des Landes, 20:40 Uhr der strahlende Theoretiker und Stifter des Kommunismus, 21:00 Uhr Ehre dem Oberkommandierenden, 21:30 Uhr Nachrichten, danach Sendeschluss.
Ceausescu wurde trotz der innenpolitischen Zustände in Rumänien aufgrund seines anscheinend UdSSR-kritischen außenpolitischen Kurses noch bis Mitte der 80er Jahre von westlichen Politikern unterstützt.
Erst das Dorfsystematisierungsprogramm, das Ceausescu nach längeren Planungen 1988 in Angriff nahm, führte zu internationalen Protesten. Dieser Plan sah vor, dass von etwa 13.000 rumänischen Dörfern 6.500 zu schliefen und die Bewohner in „agro-industrielle Zentren“ umzusiedeln hatten. Die ersten dieser Zentren wurden in der Nähe von Bukarest noch im Jahre 1989 fertig gestellt. Die Wohnungen dieser Zentren bestanden aus zwei Zimmern und einer vier Quadratmeter großen Küche ohne Wasserleitung, die sich mindestens sechs Personen teilen mussten, weil jede Familie mindestens vier Kinder haben sollte. Badezimmer waren in den Wohnungen nicht vorgesehen. Das einzige WC des Wohnblocks befand sich im Hof. Der für den Block zuständige Beamte der Miliz sollte im Erdgeschoss wohnen. Dieser weckte die Bewohner am Morgen auf, verteilte Spaten, Sensen und Heugabeln, begleitete sie zur Feldarbeit und schloss abends die Haustür zu.
Trotz all dieser Not gaben die Bewohner Rumäniens nie auf. Sie versammelten sich am 20. Dezember 1989. Ein aus 13 Personen bestehendes Komitee der Aufständischen, das sich „Frontul Democratic Roman“ nennt, formuliert deren Forderungen:
1. Rücktritt Ceausescus
2. Rücktritt der Regierung
3. Freie Meinungsäußerung und wahrheitsgemäße Berichterstattung über die Ereignisse
4. Beachtung der Menschenrechte
5. Freiheit der Religionsausübung
6. Öffnung der Grenzen
7. Freilassung aller seit dem 16. Dezember inhaftierten
8. Klärung der Frage, wo die Toten sind
9. Trauertag für die Toten